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Interview mit Sascha Goc (Sommer 2002)

"Es fehlte letztlich die Perspektive"

Sascha Goc über seine Erfahrungen in Nordamerika und die DEL-Rückkehr

Im Fahrwasser von Marco Sturm, der 1997 vom EV Landshut zu den San Jose Sharks gewechselt war, machte sich Sascha Goc ein Jahr später ebenfalls auf den Weg nach Nordamerika.

Jetzt, vier Jahre später, ist er wieder in Deutschland. Der Durchbruch in der besten Liga der Welt blieb ihm trotz einiger Anläufe stets verwehrt.

Im Exklusiv-Interview mit Eishockey-News Reporter Daniel Stolpe spricht der 24-jährige über gemachte Erfahrungen, Erwartungen an sein Comeback in der DEL und die verbesserten Perspektiven im deutschen Eishockey.

 

Herr Goc, nach vier Jahren ist die Erfahrungen Nordamerika für Sie vorerst beendet. Mit welchen Schlüssen beenden Sie dieses Kapitel ?

Sascha Goc: Amerika war für mich alles in allem eine sehr gute Zeit. Ich denke ich habe in dieser Zeit viel dazu gelernt, sowohl sportlich, als auch persönlich. Ich hoffe, dass ich mir das in ein paar Jahren, noch einmal ermöglichen kann.

Er folgt Mannheim als nächster Karriereschritt. Mit welchen Erwartungen verknüpfen Sie ihr DEL-Comeback ?

Sascha Goc: Ich hoffe, dass ich in Mannheim zwei gute Jahre haben werde und der Mannschaft helfen kann. Was sonst noch kommt, kann ich jetzt noch nicht beurteilen. Natürlich geht mein Blick jetzt, da ich wieder in Deutschland bin, auch Richtung Hans Zach und Nationalmannschaft.

Wenn Sie auf jede einzelne Entwicklungsphase zurückblicken, wie beurteilen Sie die gesamt Entwicklung ? Es begann mit dem Draft 1997 (New Jersey, 6. Runde) und dem Sprung im Jahr darauf in die AHL zu Albany...

Sascha Goc: Das der erste Schritt. Ich glaubem ein entscheidener Schritt für meine seitherige Entwicklung.

In der Saison 2000/01 durften Sie dann erstmals in der NHL ran. Und das bei den Devils, dem damals amtierenden Champion. Eine besondere Erfahrung ?

Sascha Goc: Ja, aber nicht, weil es der Champion war, sondern weil es einfach immer mein Ziel gewesen war, in der NHL zu spielen. Egal, ob New Jersey oder bei einem schlechterem Team.

Mit dem Trade nach Tampa folgte der Wechsel hin zu einem solchen schlechteren Team. Doch sicher mit der Hoffnung im Gepäck, dort mehr Eiszeit zu erhalten...

Sascha Goc: Das kann mal wohl sagen. Allein, es blieb bei der Hoffnung...

Die Frustration darüber ist deutlich hörbar.Was ging in Ihnen vor, als Sie erneut ins Farmteam abgeschoben wurden ?

Sascha Goc: Da ich diese Nachricht erst nach siebenwöchigen Versprechungen bekam, ich würde in der NHL bleiben, war alles doch ziemlich frustrierend. Der Trainer in Tampa hat mir und dem gleichzeitig geholten Josef Boumedienne nie eine echte Chance gegeben, wollte er auch nicht. Er vertraute nur dem bestehenden Kader.

Wenn mal all die Jahre, all die Stationen Revue passieren lässt: Haben Sie sich bei all den Umzügen und Wechseln jemals irgendwo richtig heimisch gefühlt ?

Sascha Goc: In Albany schon. Dort habe ich ja relativ lange Zeit gelebt. In den anderen Städten aber nicht wirklich.

Erfolgte die Rückkehr nach Deutschland letzlich auch wegen der Gefahr, irgendwann hoffnungslos in den Minor Leagues zu versumpfen ?

Sascha Goc: Eigentlich nicht. Ich bin mir nur mit Tampa in einigen entscheidenen Punkten nicht einig geworden. So fehlte letzlich die Perspektive...

Ist die DEL nun ein Neuanfang, auch mit Blick, es doch noch in die NHL zu schaffen ? Und, auch wenn man nicht darüber spricht: Finanziell dürfte die DEL doch immer noch über der AHL stehen ?

Sascha Goc: Klar ist die DEL ein Neuanfang. Im Moment möchte ich mich jedoch nur auf Mannheim konzentrieren und frühestens nach diesen zwei Jahren die NHL wieder in Angriff nehmen. Zum Thema Geld ist zu sagen, dass man zum Beispiel als älterer Spieler in der AHL sehr gut verdienen kann. Da dort aber vor allem junge Spieler sind, kann es schon sein, dass das Gehaltniveau insgesamt geringer ist.

Ihr Bruder Marcel wurde im letzten Jahr in der ersten Runde von San Jose gedraftet. Sind die Vorzeichen für ihn daher wesentlich besser, den Sprung in die NHL zu schaffen ? Möglicherweise gar ohne den "Umweg" Farmteam ?

Sascha Goc: Marcel ist ein sehr guter Spieler, der er sich verdient hat, in der ersten Runde gedraftet worden zu sein. Er muss trotzdem weiter hart an sich arbeiten. Umwege kann es immer geben, es kommt zum Beispiel darauf an, wie viel Platz in der Mannschaft ist oder ob San Jose die jungen Spieler lieber zuerst ins Farmteam schickt. All das kann ich jedoch nicht beurteilen.

Neben Marcel wurden auch Marco Sturm und Olaf Kölzig in der ersten Runde gezogen, selbst ein Zweit-Runden-Pick wie Hecht mußte sich durch die Minor-Leagues quälen, ehe er sich in der NHL etablieren konnte. Kann man generell sagen, bis zu welcher Draftposititon man überhaupt eine Aussicht hat, sich in der NHL etablieren zu können ?

Sascha Goc: Eigentlich nicht. Das ist bei jeder Mannschaft und bei jedem Spieler unterschiedlich. Auch Spieler späterer Draftrunden haben die Chance, es zu schaffen.

Drei junge Verteidiger hoffen gegenwärtig wie Sie auf den Sprung in die NHL. Christoph Schubert, Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg. Können Sie einschätzen, ob sie das Zeug für die NHL haben ?

Sascha Goc: Von den dreien kenne ich persönlich nur Dennis. jedoch habe ich ihn schon seit fünf Jahren nicht mehr spielen sehen. Die anderen beiden habe ich noch nie Spielen sehen, also kann ich das nicht beurteilen.

Insgesamt ist die Nachwuchssituation im deutschen Eishockey vielversprechend, eine Menge junger Talente wächst nach. Darf man in Deutschland für die Zukunft auf mehr NHL-Spieler hoffen ? Das Ansehen deutscher Spieler in Nordamerika scheint gestiegen zu sein...

Sascha Goc: Hoffentlich, das wäre gut für alle Seiten. Das Ansehen, die Spieler, die gesamte Entwicklung, Grundvoraussetzung jedoch ist weiterhin gute Nachwuchsarbeit.

Abschließend die Farge: Sind Sie froh, nach der Knochenmühle AHL jetzt wieder in das ruhigere Fahrwasser DEL zu kommen ?

Sascha Goc: Ich würde die DEL nicht als ruhiges Fahrwasser bezeichnen. Wie überall, wird es auch hier schwierig werden, sich gegen die vielen guten Spieler zu behaupten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Eishockey News. Das Original-Interview stammt aus der Nordamerika Spezial-Ausgabe der Eishockey News, die jeden Sommer erscheint. Die aktuelle Ausgabe gibt es im Zeitschriftenhandel mit vielen Infos über die deutschen Spieler und alle Ligen in Nordamerika.

 

 

 

 

 

 

 

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