"Es fehlte letztlich
die Perspektive"
Sascha Goc über seine Erfahrungen
in Nordamerika und die DEL-Rückkehr
Im Fahrwasser
von Marco Sturm, der 1997 vom EV Landshut zu den San Jose
Sharks gewechselt war, machte sich Sascha Goc ein Jahr später
ebenfalls auf den Weg nach Nordamerika.
Jetzt, vier Jahre später, ist
er wieder in Deutschland. Der Durchbruch in der besten Liga
der Welt blieb ihm trotz einiger Anläufe stets verwehrt.
Im Exklusiv-Interview mit Eishockey-News
Reporter Daniel Stolpe spricht der 24-jährige über
gemachte Erfahrungen, Erwartungen an sein Comeback in der
DEL und die verbesserten Perspektiven im deutschen Eishockey.
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Herr Goc, nach vier Jahren ist die Erfahrungen
Nordamerika für Sie vorerst beendet. Mit welchen Schlüssen
beenden Sie dieses Kapitel ?
Sascha Goc: Amerika war für
mich alles in allem eine sehr gute Zeit. Ich denke ich habe in
dieser Zeit viel dazu gelernt, sowohl sportlich, als auch persönlich.
Ich hoffe, dass ich mir das in ein paar Jahren, noch einmal ermöglichen
kann.
Er folgt Mannheim als nächster Karriereschritt.
Mit welchen Erwartungen verknüpfen Sie ihr DEL-Comeback ?
Sascha Goc: Ich hoffe, dass ich
in Mannheim zwei gute Jahre haben werde und der Mannschaft helfen
kann. Was sonst noch kommt, kann ich jetzt noch nicht beurteilen.
Natürlich geht mein Blick jetzt, da ich wieder in Deutschland
bin, auch Richtung Hans Zach und Nationalmannschaft.
Wenn Sie auf jede einzelne Entwicklungsphase
zurückblicken, wie beurteilen Sie die gesamt Entwicklung
? Es begann mit dem Draft 1997 (New Jersey, 6. Runde) und dem
Sprung im Jahr darauf in die AHL zu Albany...
Sascha Goc: Das der erste Schritt.
Ich glaubem ein entscheidener Schritt für meine seitherige
Entwicklung.
In der Saison 2000/01 durften Sie dann erstmals
in der NHL ran. Und das bei den Devils, dem damals amtierenden
Champion. Eine besondere Erfahrung ?
Sascha Goc: Ja, aber nicht, weil
es der Champion war, sondern weil es einfach immer mein Ziel gewesen
war, in der NHL zu spielen. Egal, ob New Jersey oder bei einem
schlechterem Team.
Mit dem Trade nach Tampa folgte der Wechsel
hin zu einem solchen schlechteren Team. Doch sicher mit der Hoffnung
im Gepäck, dort mehr Eiszeit zu erhalten...
Sascha Goc: Das kann mal wohl
sagen. Allein, es blieb bei der Hoffnung...
Die Frustration darüber ist deutlich
hörbar.Was ging in Ihnen vor, als Sie erneut ins Farmteam
abgeschoben wurden ?
Sascha Goc: Da ich diese Nachricht
erst nach siebenwöchigen Versprechungen bekam, ich würde
in der NHL bleiben, war alles doch ziemlich frustrierend. Der
Trainer in Tampa hat mir und dem gleichzeitig geholten Josef Boumedienne
nie eine echte Chance gegeben, wollte er auch nicht. Er vertraute
nur dem bestehenden Kader.
Wenn mal all die Jahre, all die Stationen
Revue passieren lässt: Haben Sie sich bei all den Umzügen
und Wechseln jemals irgendwo richtig heimisch gefühlt ?
Sascha Goc: In Albany schon.
Dort habe ich ja relativ lange Zeit gelebt. In den anderen Städten
aber nicht wirklich.
Erfolgte die Rückkehr nach Deutschland
letzlich auch wegen der Gefahr, irgendwann hoffnungslos in den
Minor Leagues zu versumpfen ?
Sascha Goc: Eigentlich nicht.
Ich bin mir nur mit Tampa in einigen entscheidenen Punkten nicht
einig geworden. So fehlte letzlich die Perspektive...
Ist die DEL nun ein Neuanfang, auch mit Blick,
es doch noch in die NHL zu schaffen ? Und, auch wenn man nicht
darüber spricht: Finanziell dürfte die DEL doch immer
noch über der AHL stehen ?
Sascha Goc: Klar ist die DEL
ein Neuanfang. Im Moment möchte ich mich jedoch nur auf Mannheim
konzentrieren und frühestens nach diesen zwei Jahren die
NHL wieder in Angriff nehmen. Zum Thema Geld ist zu sagen, dass
man zum Beispiel als älterer Spieler in der AHL sehr gut
verdienen kann. Da dort aber vor allem junge Spieler sind, kann
es schon sein, dass das Gehaltniveau insgesamt geringer ist.
Ihr Bruder Marcel wurde im letzten Jahr in
der ersten Runde von San Jose gedraftet. Sind die Vorzeichen für
ihn daher wesentlich besser, den Sprung in die NHL zu schaffen
? Möglicherweise gar ohne den "Umweg" Farmteam
?
Sascha Goc: Marcel ist ein sehr
guter Spieler, der er sich verdient hat, in der ersten Runde gedraftet
worden zu sein. Er muss trotzdem weiter hart an sich arbeiten.
Umwege kann es immer geben, es kommt zum Beispiel darauf an, wie
viel Platz in der Mannschaft ist oder ob San Jose die jungen Spieler
lieber zuerst ins Farmteam schickt. All das kann ich jedoch nicht
beurteilen.
Neben Marcel wurden auch Marco Sturm und Olaf
Kölzig in der ersten Runde gezogen, selbst ein Zweit-Runden-Pick
wie Hecht mußte sich durch die Minor-Leagues quälen,
ehe er sich in der NHL etablieren konnte. Kann man generell sagen,
bis zu welcher Draftposititon man überhaupt eine Aussicht
hat, sich in der NHL etablieren zu können ?
Sascha Goc: Eigentlich nicht.
Das ist bei jeder Mannschaft und bei jedem Spieler unterschiedlich.
Auch Spieler späterer Draftrunden haben die Chance, es zu
schaffen.
Drei junge Verteidiger hoffen gegenwärtig
wie Sie auf den Sprung in die NHL. Christoph Schubert, Christian
Ehrhoff und Dennis Seidenberg. Können Sie einschätzen,
ob sie das Zeug für die NHL haben ?
Sascha Goc: Von den dreien kenne
ich persönlich nur Dennis. jedoch habe ich ihn schon seit
fünf Jahren nicht mehr spielen sehen. Die anderen beiden
habe ich noch nie Spielen sehen, also kann ich das nicht beurteilen.
Insgesamt ist die Nachwuchssituation im deutschen
Eishockey vielversprechend, eine Menge junger Talente wächst
nach. Darf man in Deutschland für die Zukunft auf mehr NHL-Spieler
hoffen ? Das Ansehen deutscher Spieler in Nordamerika scheint
gestiegen zu sein...
Sascha Goc: Hoffentlich, das
wäre gut für alle Seiten. Das Ansehen, die Spieler,
die gesamte Entwicklung, Grundvoraussetzung jedoch ist weiterhin
gute Nachwuchsarbeit.
Abschließend die Farge: Sind Sie froh,
nach der Knochenmühle AHL jetzt wieder in das ruhigere Fahrwasser
DEL zu kommen ?
Sascha Goc: Ich würde die
DEL nicht als ruhiges Fahrwasser bezeichnen. Wie überall,
wird es auch hier schwierig werden, sich gegen die vielen guten
Spieler zu behaupten.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Eishockey
News. Das Original-Interview stammt aus der Nordamerika Spezial-Ausgabe
der Eishockey News, die jeden Sommer erscheint. Die aktuelle Ausgabe
gibt es im Zeitschriftenhandel mit vielen Infos über die
deutschen Spieler und alle Ligen in Nordamerika.
