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Interview mit Jochen Hecht

Er ist ein ruhiger Typ und sagt über sich: ,,Ich halte mich lieber im Hintergrund auf, das Rampenlicht liegt mir nicht." An den Trubel um seine Person wird sich Jochen Hecht (22) allerdings gewöhnen müssen. Der frühere Mannheimer gilt als eines der ganz großen Stürmertalente seit seinem Durchbruch in den Playoffs 1999/2000. In den letzten Wochen musste Hecht wegen einer hartnäckigen Knöchelverletzung allerdings öfter pausieren.

Sport-Bild:Herr Hecht, Sie haben in 46 Spielen 8 Tore und 17 Vorlagen verbucht.Ein tolles Ergebnis. Unfassbar auch, weil Sie vor einem Jahr noch im Farmteam auf dem Abstellgleis waren.

Hecht:Meine Bilanz ist ganz gut für ein erstes Jahr. Und am Anfang dieser Saison lief es richtig super. Ich habe in der ersten Reihe gespielt.

Sport-Bild:Haben Sie noch Ihr erstes Tor in Erinnerung?

Hecht: Das war gegen Dallas in den Playoffs letzte Saison. Ein unvergessliches Erlebnis. Ich bin hochgesprungen und konnte es erst gar nicht glauben. Wir hatten eine ausverkaufte Halle mit 20.000 Fans die auf einmal schrien. Danach waren 20 Reporter um mich herum in der Kabine. Durch dieses Tor habe ich den Grundstein für diese Saison gelegt.

Sport-Bild: Stefan Ustorf konnte sich in der NHL nicht durchsetzen. Er sprach von einem ,,gnadenlosen Kampf", um in ein Team zu kommen. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Hecht: Im Farmteam war der Kampf unter den Spielern größer als jetzt hier in St. Louis. Jeder will zeigen, dass er besser ist. Ich hatte am Anfang Probleme. Beim Durchboxen helfen Tore einfach am meisten. Freundschaften kann man nicht erwarten.

Sport-Bild: Spielte zu Beginn dieser Saison die Angst mit, wieder ins Farmteam zurück-geschickt zu werden?

Hecht: Zunächst war dieses Gefühl schon da. Zurzeit fühle ich mich aber sicher. Ohne Frage muss es unheimlich hart sein, wenn sie einen nach vier Wochen wieder wegschicken.

Sport-Bild: Kommt Ihnen die NHL wie das große Schlaraffenland vor?

Hecht: Ja, die ganze Atmosphäre ist professionell, und es macht dadurch eben noch viel mehr Spaß. Zu den Auswärtsspielen fliegt man einen Tag vorher und ist in erstklassigen Hotels untergebracht. Man muss sich wirklich nur noch aufs Eishockey konzentrieren, das andere wird von Betreuern übernommen.

Sport-Bild: Was ist denn der Unterschied zur DEL ?

Hecht: Der Körperkontakt. Man hat keine Zeit um Luft zu schnappen, sonst wird man gecheckt oder liegt am Boden. Alles muss instinktiv gehen. Es geht schon mal unter die

Gürtellinie, aber die Schiedsrichter sind hier bei weitem besser als in Deutschland. Dadurch hält sich das unfaire Spiel in Grenzen. Ich war bisher aber noch nicht so schlimm dran wie manche andere in unserer Mannschaft, die auf dem Eis regelrecht misshandelt werden.

Sport-Bild: Mit 22 Jahren stehen Sie den besten Eishockey-Stars der Welt gegenüber. Was geht da in einem vor?

Hecht: Es ist klasse, wie professionell sich die Stars verhalten. Als wir gegen Vancouver gespielt haben, stand plötzlich Mark Messier vor mir. Da habe ich gedacht: Der hat doch schon vor 20 Jahren den Stanley Cup gewonnen und kämpft immer noch wie ein Besessener.

Sport-Bild: St. Louis gilt als einer der großen Titelfavoriten...

Hecht: Wenn jeder in den Playoffs gesund ist, können wir sicher die Finalserie erreichen. Aber die Playoffs sind eine ganz besondere Geschichte. Wenn man in den ersten Spielen nicht alles gibt, ist man schnell im Urlaub.

Interview: Stefan Liwocha

Quelle: Sportbild vom 08.03.2000

 

 

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