Vergangenen
Donnerstag hatte Marco Sturm (21) wieder einmal einen jener Glückstage,
die einem Stürmer in der NHL nur selten vergönnt sind. Im Spiel
gegen die Nashville Predators gelang dem ehemaligen Landshuter
der Siegtreffer zum 4:3 für die San Jose Sharks. Sturm spielt
mittlerweile im dritten Jahr in Kalifornien.
Sport-Bild:Herr
Sturm, Sie hatten zuletzt einige schwächere Spiele. Zerrt das
an den Nerven?
Marco
Sturm:Schon,
vor allem aber, weil unsere Mannschaft nach einem glänzenden Saisonstart
ins Mittelfeld abgerutscht ist
Sport-Bild:Trainer
Darryl Sutter hält große Stücke auf Sie. Er sieht in Ihnen einen
Spieler, der es zum Superstar in der NHL bringen kann.
Sturm:Ja,
das sagt er mir auch immer, aber ich mache mir keine großen Gedanken
darüber. Ich will einfach nur gutes Eishockey spielen. Klar ist
es schön, wenn der Trainer Vertrauen in einen setzt. Aber gleichzeitig
ist Sutter auch einer meiner größten Kritiker. Er erklärt mir
ständig, das ich vor allem im Abschluss besser werden muss. Er
will mir abgewöhnen, zu lange zu zögern. Das sei eine typisch
europäische Eigenart, meint er.
Sport-Bild:
Die Sharks stellen eines der jüngsten NHL-Teams. Ihnen wird zugetraut,
in den nächsten Jahren den Stanley Cup zu gewinnen. Sehen Sie
das auch so?
Sturm:Unser
Coach hat in den letzten zwei Jahren gezielt ein neues Team aufgebaut.
Er hat dabei viele junge Spieler wie Patrick Marieau (20), Alex
Korolyuk (24) und mich integriert. Er arbeitet gern mit Rookies.
Ob sich das auszahlt, muss man abwarten. Ich hoffe, dass in dieser
Saison mehr drin ist als in den letzten beiden Jahren, wo wir
jeweils schon in der ersten Play-off-Runde ausgeschieden sind.
Sport-Bild:
Sie wirken körperlich wesentlich kräftiger als noch vor einem
Jahr.
Sturm:
Stimmt, ich habe in den letzten zwei Jahren insgesamt 13 Kilogramm
zugenommen. Das liegt daran, dass ich sehr viel Krafttraining
absolviere. Denn ich habe hier pro Saison rund 82 Spiele, in Deutschland
waren es inklusive der Playoffs gerade mal 45. Um dieses straffe
Programm bewältigen zu können, ist regelmäßiges Krafttraining
unabdingbar.
Sport-Bild:
In den ersten beiden Jahren fanden Sie auf Grund Ihrer mangelnden
Eng-lisch-Kenntnisse wenig Kontakt zur Mannschaft. Hat sich das
mittlerweile geändert?
Sturm:Die
Sprachbarriere war tatsächlich lange Zeit das größte Problem.
Besonders übel war die Situation, wenn es ein Spiel mal nicht
so gut lief oder wenn ich einfach mal schlecht drauf war. Dann
war da niemand, mit dem ich reden konnte. Das war schon ziemlich
hart, sowohl in sportlicher als auch in privater Hinsicht. Mittlerweile
ist meine Freundin Astrid zu mir gezogen, das war ganz wichtig
für mich.
Sport-Bild:
Haben Sie noch Kontakt in die Heimat? Sturm: Das Internet macht’s
möglich, dass ich regelmäßigen Kontakt zu meiner Familie und Freunden
halten kann. Und ich verfolge fast täglich, was es Neues von meinem
Lieblings-Fußballklub Bayern München gibt. Wenn ich nicht Eishockeyprofi
geworden wäre, hätte ich alles dafür getan, dort Fußballprofi
zu werden.
Sport-Bild:
Ihr Vertrag bei den Sharks läuft im Jahr 2000 aus. Wie ist lhre
sportliche Zukunft, ist eine Rückkehr in die DEL möglich?
Sturm:Nein,
meine Zukunft liegt eindeutig in der NHL, die DEL ist abgehakt.
Die Vertragsgesprache werden hier erst im Sommer geführt. Ich
denke, dass mein Coach gern mit mir weiterarbeiten möchte.
Interview:
Andreas Renner
Quelle:
Sport-Bild vom 08.03.2000