Die Karl
Friesen Story (aus dem Buch Sudden Death - 14 Jahre SB DJK Rosenheim
in der 1.Eishockey Bundesliga)
Nach der
Saison 1979/80, der schlechtesten in der gesamten SBR Geschichte,
hatte der Klub ein echtes Torwartproblem. Karl Huber war nach
Landshut zurückgekehrt, Rainer Makatsch, der die Hauptlast
zu tragen gehabt hatte, näherte sich unwiderruflich dem Ende
seiner Laufbahn, und bei Franz Wech, dem besten Nachwuchsgoalie,
reichte es einfach nicht für die erste Liga. So streckte
man - wie es damals in Deutschland gang und gäbe war - die
Fühler nach Kanada aus und zog einen "seltsamen Heiligen"
an Land, der sich später als der beste deutsche Torhüter
der achtziger Jahre entpuppen sollte.
Karl Friesen, 22jähriger Buchhalter und gläubiger Mennonit,
hatte bei den St. Boniface Mohawks, einem kleinen Klub der Senior
Amateur League in der Provinz Manitoba, unbeachtet von den Profispähern
der National Hockey League, das Tor gehütet - gut genug,
um von Heinz Weisenbach für die Bundesliga empfohlen zu werden.
Normalerweise hätte er eine Saison lang von Makatsch lernen
sollen, um dann nach dessen Rücktritt die Nummer eins beim
SBR zu werden.
Doch es kam anders: Bereits in den Testspielen zeigte er sich
als Meister, nicht als Lehrling, und so kam es, daß Makatsch
in seiner letzten Saison nur zu ganzen 48 Spielminuten Einsatz
aufs Eis kam. So wie ihm ging es in der Folge allen SBRTorhütern.
Ob Rückkehrer Karl Huber, Supertalent Klaus Merk oder Senkrechtstarter
Claus Dalpiaz - sie alle kamen nur zum Einsatz, wenn Friesen verletzt
war, oder um gelegentlich etwas Spielpraxis zu sammeln.
Die Rufe "Friesen für Deutschland" wurden bald
erfüllt. Xaver Unsinn nominierte den Neu-Rosenheimer für
die WM 1981 - die erste von vielen. In über 100 Länderspielen
vertrat er die deutschen Farben; viel mehr hätten es werden
können, hätte er nicht wegen seiner hartnäckigen
Bandscheibenbeschwerden in den letzten Jahren kaum mehr im DEB-Tor
gestanden.
Statistik :
Stammverein: St. Boniface Mohawks (Kanada)
Weitere Klubs: New Jersey (NHL), Maine (AHL)
Beim SBR: 1980 bis 1985, Dezember 1986 bis 1992
SBR-Bilanz: 481 Spiele,28675 Minuten,1415 Gegentore,2,96 pro Spiel,
30 Shoot-Outs
Rückennummer: 27 (früher 1)
Außerdem: New Jersey: 4 Spiele,16 Gegentore, 7,38 pro Spiel;
Maine: 40 Spiele, 129 Gegentore, 3,33 pro Spiel, 2 Shutouts
Länderspiele: 105
Da Karl Friesen ein Muster an Beständigkeit war, fällt
es schwer, eine Saison besonders hervorzuheben. Dennoch: Die Meisterschaften
1982 und 1989 wären ohne sein Zutun wohl kaum errungen worden,
und in der Saison 1983/ 84, als beim SBR bei weitem nicht alles
nach Plan verlief und das Verletzungspech erstmals erbarmungslos
zuschlug, hatte Friesen den Löwenanteil am dritten Platz
nach der Doppelrunde.
Nach der Meisterschaft 1985 dann der Schock: Friesen verließ
den SBR, um in der NHL sein Glück zu versuchen. Doch dort
liefen die Dinge alles andere als gut. Trotz hervorragender Leistungen
im Farmteam, den Maine Mariners, dauerte es lange, bis Friesen
endlich seine Chance bei den New Jersey Devils erhielt, und dann
kam er ausgerechnet in seiner Heimatstadt Winnipeg böse unter
die Räder. Nach nur 130 NHL-Minuten (verteilt auf vier Spiele)
kehrte Friesen Weihnachten 1986 nach Rosenheim zurück - sehr
zum Entzücken der SBR-Fans. Er war auch bald wieder (fast)
der Alte - wenn man davon absieht, daß seine Rückenbeschwerden
ihn doch stärker behinderten, als ihm lieb sein konnte. Er,
der vor seinem US-Aufenthalt in fünf Jahren nur vier Spiele
versäumte, mußte in den letzten drei Spielzeiten seiner
SBR-Karriere immerhin 25mal passen. Daher war es doch eine gewisse
Überraschung, daß Friesen nach dem SBR-Ausstieg nun
seine Laufbahn beim EC Hedos fortsetzte.
Quelle :
Sudden Death - 14 Jahre SB DJK Rosenheim in der 1.Eishockey Bundesliga
von Edgar Scholtz und Manfred Eder
erschienen 1992, Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim