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Uli Hiemer
Nordamerika von 1984-1987
143 NHL- und 41 Minor-League-Spiele
letzter Verein New Jersey Devils (NHL)
Geboren am 21.09.1962
Geburtsort Füssen
Draft-Jahr 1981
gedraftet von Colorado Rockies
Draft-Pos. 48
Position Verteidiger
Erstes NHL-Spiel ??.??.1984

Uli Hiemer im Dress der N.J. Devils

 

Zur Person
Der gebürtige Füssener Uli Hiemer gilt als eine der Leitfiguren im deutschen Eishockey und wurde Ende 1993 zum Kapitän der Nationalmannschaft gewählt. Hiemer war 1984 der erste deutsche Eishockeycrack, der den Sprung in die nordamerikanische Profiliga NHL wagte. 1987 kehrte der 1,87 m große und 90 kg schwere Verteidiger in die Bundesliga zurück, wo er mit der Düsseldorfer EG ab 1990 vier Meistertitel in Folge holte.
Die Zeit in der härtesten Liga der Welt bewertet Hiemer ausschließlich positiv, bezeichnet sie als prägendes Ereignis seiner Karriere: ”Die drei Jahre in den Staaten haben mich menschlich und sportlich ein großes Stück weitergebracht. Diese völlig andere Mentalität der Menschen dort.”
Hiemer, der in Füssen eine Lehre als Maschinenschlosser absolvierte, ist nicht der einzige Eishockeyprofi in der Familie: Bruder Jörg, drei Jahre jünger, war sein Weggefährte beim EV Füssen und beim KEC, beendete aber im Frühjahr 1991 seine Laufbahn und wurde später Präsident der Spielergewerkschaft. Im Juni heiratete der eisenharte Verteidiger in New York seine langjährige Freundin Karin, eine Krankengymnastin. Das Paar besitzt noch ein Haus in New Jersey - für den Eishockeycrack eine ideale Kapitalanlage. Als Ausgleichssport betreibt Hiemer am liebsten Golf.

 

Sportliche Laufbahn
Bis zu seinem elften Lebensjahr war Uli Hiemer als Eishockeyspieler und Skifahrer aktiv, orientierte sich dabei auf dem Eis stets an seinem Bruder Jörg. Mit Ehrgeiz und Fleiß schaffte er den Sprung in die erste Mannschaft des EV Füssen, bei dem er bis 1981 spielte. Dann wechselten die Hiemer-Brüder im Paket für 250.000 DM zum Kölner EC. Dort avancierte der Verteidiger ebenso wie in der Nationalmannschaft zum Leistungsträger, bestritt inklusive der Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo 72 Länderspiele als Akteur der ”Haie”. Mit dem Gewinn des deutschen Meistertitels verabschiedete er sich 1984 vom Rhein und unterschrieb im September jenes Jahres zunächst einen Einjahres-Vertrag bei den New Jersey Devils. Dort sicherte er sich auf Anhieb einen Stammplatz, kam 1984/85 in 53 von 80 NHL-Spielen zum Einsatz und verzeichnete dabei 30 Skorerpunkte.

Bedingt durch das frühe Ausscheiden der ”Devils” in der Meisterschaft spielte Hiemer 1985 bei der WM in Prag, wo sich ihm die großen Unterschiede zwischen dem deutschen und dem nordamerikanischen Eishockey deutlicher denn je offenbarten. Der Verteidiger geizte nicht mit Kritik an den DEB-Funktionären (”vom Eishockey haben sie kaum eine Ahnung, sie sind Laien”).
Zurück in New Jersey verspürte Hiemer in der Saison 1985/86 die rauhen Sitten in der NHL und wurde ins Farmteam zu den Maine Mariners ”versetzt”. Er kehrte jedoch zurück und entwickelte sich zum Powerplay-Spezialisten, den bis 1987 befristeten Vertrag in New Jersey verlängerte er allerdings nicht. ”Hätte ich meinen Vertrag verlängert, wäre ich für immer in den Staaten geblieben. Bei dem harten Konkurrenzkampf in der NHL hätte ich aber nur noch drei, vier Jahre spielen können. In Deutschland kann ich bestimmt noch zehn Jahre in der Bundesliga mithalten”, lauteten seine Argumente ”pro Deutschland”.


Hiemer wechselte zur Düsseldorfer EG und hatte nur ein Ziel im Visier: ”Ich will mit der DEG Deutscher Meister werden.” Der Neuanfang war jedoch schwer: Der Ex-Füssener hatte Schwierigkeiten, sich auf die Bundesliga-Spielweise umzustellen, und verpaßte die Olympia-Teilnahme 1988. Zudem gab es Transferschwierigkeiten mit dem Kölner EC, der Hiemer nach der NHL-Rückkehr für sich beanspruchte und 400.000 DM Ablöse forderte. Erst ein Vergleich sorgte für Frieden mit dem Erzrivalen. In der Spielzeit 1988/89 entwickelte sich Hiemer zum Leistungsträger bei der DEG, die sich bis ins Play-off-Finale vorkämpfte und dort dem SB Rosenheim unterlag. Mit 51 Skorerpunkten empfahl sich der ”Blueliner” wieder für das Nationalteam und erzielte bei der WM in Schweden den 3:3-Ausgleich gegen die Gastgeber. ”Auf jeden Fall der spektakulärste Verteidiger bei dieser WM”, lobte ihn das eishockey Magazin.


Der Erfolg blieb dem früheren NHL-Profi auch in den folgenden Spielzeiten treu: Der stark aufgerüsteten DEG (”Didi” Hegen und Gerd Truntschka kamen zur Brehmstraße) glückte 1990 die Finalrevanche gegen Rosenheim. Bei der WM versagte Hiemer dagegen: Es wurden ihm eine zu phlegmatische Spielweise und leichtsinnige Pässe mit fatalen Folgen attestiert. 1991 wiederholte die DEG, diesmal gegen den Kölner EC, den Meisterschaftstriumph - der Verteidiger verbuchte mit 64 Skorerpunkten seine persönliche Bestmarke. Bei seiner zweiten Olympiateilnahme kam Hiemer dagegen 1992 nicht über die Mitläuferrolle hinaus, durfte aber im Vereinsdress den Titel-Hattrick (gegen den SB Rosenheim) feiern. Bei der 92er WM in Prag - die Deutschen schieden im Viertelfinale gegen die Schweiz aus - machte der Mann mit dem harten Schuß vor allem als Rauhbein (26 Strafminuten) von sich reden. ”Natürlich muß ich als Verteidiger gelegentlich hart zupacken. Aber das sind keine bösen Fouls. So etwas sollte nach dem Spiel rasch vergessen sein”, kommentierte er seine harte Gangart.


Einem weiteren deutschen Meistertitel folgte im Frühjahr 1993 die Weltmeisterschaft im eigenen Land - dort spielte Hiemer, obwohl von einer Mammutsaison erschöpft, ein ”ordentliches Turnier” (Sport-Kurier). Am Jahresende wurde er zum Nachfolger von Gerd Truntschka als Nationalmannschafts-Kapitän bestimmt (”ich spüre die Verantwortung und ein bißchen Stolz macht es mich auch”). Sein erster wichtiger Auftritt in der neuen Rolle endete tragisch: Bei den Olympischen Spielen zog sich Hiemer im Viertelfinalspiel gegen Schweden eine Schulter-Luxation zu - damit war die Saison für ihn gelaufen. ”Meine Verletzung bei Olympia wäre nicht passiert, wenn ich hundertprozentig fit gewesen wäre”, übte er Kritik an der Hetzjagd von Spiel zu Spiel, der die Nationalspieler ausgesetzt sind.

Quelle: © Munzinger-Archiv GmbH 1999

 

LAUFBAHN
REGULAR SEASON PLAYOFFS
Season Club League GP G A TP PIM GP G A TP PIM
1979-80 EV Fussen DEL 44 6 10 16 84          
1980-81 EV Fussen DEL 34 11 11 22 84          
1981-82 Kölner EC DEL 43 10 23 33 85 9 3 0 3 27
1982-83 Kölner EC DEL 35 8 17 25 69 8 2 6 8 23
1983-84 Kölner EC DEL 50 23 23 46 93          
1984-85 New Jersey Devils NHL 53 5 24 29 70          
1985-86 New Jersey Devils NHL 50 8 16 24 61          
1985-86 Maine Mariners AHL 15 5 2 7 19          
1986-87 New Jersey Devils NHL 40 6 14 20 45          
1986-87 Maine Mariners AHL 26 4 3 7 51          
1987-88 Düsseldorfer EG DEL 34 9 23 32 78 10 3 2 5 24
1988-89 Düsseldorfer EG DEL 32 17 25 42 75 10 6 3 9 46
1989-90 Düsseldorfer EG DEL 35 13 29 42 67 11 1 9 10 16
1990-91 Düsseldorfer EG DEL 44 18 32 50 43 13 3 11 14 22
1991-92 Düsseldorfer EG DEL 42 8 27 35 67 9 4 6 10 12
1992-93 Düsseldorfer EG 2. BL 44 11 28 39 57          
1993-94 Düsseldorfer EG DEL 44 17 22 39 60          
1994-95 Düsseldorfer EG DEL 40 9 19 28 54 10 1 9 10 20
1995-96 Düsseldorfer EG DEL 47 9 22 31 98 13 3 6 9 24
NHL Gesamt
143 19 54 73 176          

 

 

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